„Für mich ist die Rose als Königin der Blumen aus keinem Garten wegzudenken.“

Es gibt sie in so vielen Facetten und Wuchsformen, dass man wirklich für jeden Garten die richtige Rose finden kann.

Nach dem Trend „back to the roots“ sind auch wieder einfach blühende und halbgefüllte Rosen beliebt. Sie sind besonders bienenfreundlich und besitzen häufig auch Hagebutten.

Ist der Charakter der geöffneten Blüte nicht das, was uns neben dem Duft an den Rosen interessiert? Die einfache Blüte mit ihren fünf Kronenblättern und den im Kreis angeordneten Staubgefäßen zeigt uns klar und ehrlich ihr hübsches Gesicht – und das kann sehr unterschiedlich sein: schon allein die Staubkronen variieren in Form und Farbe. Die neuesten persischen Züchtungen besitzen zudem noch dunkle Augen am  Blütengrund. Zudem lockern einfach blühende Rosen das Bild im Garten sehr auf.

Pflanztipps vom Vierländer Rosenhof:

Wer sich schöne Rosen im Garten wünscht, sollte die Philosophie der Rosen beachten: Der Boden sollte locker, humusdurchzogen, aber vor allem lehmig sein. Eine Voraussetzung, die auf die Vierländer Böden häufig zutrifft. Zum Aufbereiten des Bodens können gut abgelagerter Rinder- und Pferdemist dienen, auch in Perliteform. Der ph- Wert sollte bei 6,5 liegen.  Rosen sind Lichtschlucker: sie lieben helle, lichte und offene Standorte, die gut abtrocknen können. Es gibt aber auch  Ausnahmesorten, die den Halbschatten tolerieren.

Rosen wollen regelmäßig gut gedüngt werden.  Gut genährte Rosen sind kräftiger und somit resistenter gegen Krankheiten. Einfach einzusetzen sind moderne Langzeitdünger sowie organische Dünger, z. B. Knochenmehl und Hornspäne.

Tradition zum Beruf: 

Seit 1786  bewirtschaftet unsere Familie nun in der 7. Generation den Vierländer Rosenhof.  Erstmals erwähnt wurde der Hof 1548.  Man müsste fast sagen, dass die Idee, Rosen zu sammeln, zu züchten und zu kultivieren noch recht jung ist.

Sie entstand vor fast 15 Jahren. Die Familie hat vordem vor allem vom Anbau von  Rhabarber, Erdbeeren, Maiglöckchen und Dahlien gelebt. Durch die Verbindung der Elbwege zur nahen Stadt Hamburg und die Tatsache, dass die Böden in den Vier-und Marschlanden sehr fruchtbar sind, kamen Vierländer Bauern zu Wohlstand.

Aufwendig wurden die landwirtschaftlichen Produkte mit sogenannten Ewern (flachen Booten) zum Hamburger Markt gestakt.  Durch Ebbe und Flut, immer mit der Strömung, erleichterten sich Marktbeschicker die langen Wege.

Von Aufzeichnungen weiß man, dass die Rosa Centifolia als Schnittrose angebaut wurde, später auch Sorten wie „Souvenir de la Malmaison“. Aus heutiger Sicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Produkte fast einen Tag unterwegs waren, um angeboten zu werden, vor allem, wenn man dazu weiß, dass die Blüten  solcher historischen Rosen schon nach 3 Tagen auseinanderfallen.

Durch ihren starken Duft waren sie aber dennoch sehr beliebt. Der Anbau der Schnittrosen wurde mit den Jahren immer ausgefeilter und immer mehr auf den Punkt gebracht. Durch den Einsatz von Treibhäusern und Heizung ließ sich die Blütezeit  steuern.

Mein Großvater pflanzte die Sorten „New Yorker“ und „Gloria Dei“. Es  kamen immer mehr schnitttaugliche Sorten auf den Markt mit einer verbesserten Haltbarkeit.

Gezüchtet wurden solche Sorten in Uetersen und Sparrieshoop. Angebaut zum Schnitt wurden sie aber in den Vierlanden. Wahrscheinlich, weil unsere Böden genau die lehmigen Substanzen haben, die die Rosen benötigen, das „Lebenselixier“ für Rosen. Die Gärtnereien lieferten sich einen Wettlauf.

Wer hatte die neuesten Sorten, wer die beste Qualität. Sonia, Laminuette, Jacaranda, Ilseta und nicht zu vergessen Baccara.

Baccara ist übrigens eines  der wenigen Beispiele, dass ein Markenname es geschafft hat, ein Produkt zu übernehmen.

Noch heute bestellen die Kunden, wenn sie eine langstielige rote Rose wollen, eine Baccara. Die Sorten heißen heute anders. Trotz laufender technischer Modernisierung,  Energieschirm, Belichtung und  computergesteuerter Kulturführung steht das Vierländer Produkt in schwierigen Zeiten. Steigende Energiekosten und zusätzlicher Importdruck schaffen ein Ungleichgewicht, gegen das sich die Vierländer Rose behaupten muss.

Es war uns ein Wunsch, eine Rose zu  taufen, die den Namen „Vierlandenperle“ trägt.  Sie ist eine gesunde  rosafarbene Strauchrose mit einem intensiv fruchtigen Duft. Die Blüten präsentieren sich im nostalgischen Stil alter Rosen. Auch als Kletterrose lässt sich die Rose gut ziehen.  Ein Exemplar steht vor der Kirchwerder Apotheke.

Wer die Vier- und Marschlande  im Südosten  von Hamburg besucht hat, weiß, dass sie eine Perle ist und den Namen  zu Recht verdient. Im Wandel der Zeit, die immer schneller zu laufen scheint, ist die Rose  doch so etwas wie eine feste Bastion, die den Veränderungsprozessen trotzt und an Beliebtheit und an romantischer Symbolkraft nichts einbüßt.

 

Wie Sie gut abschneiden!

Eine saubere, gut funktionierende Gartenschere mit scharfer Klinge ist zwar noch nicht die ganze Kunst, aber zumindest ein guter Anfang. Der Fachhandel bietet genügend Auswahl an. Die teuerste Variante muss nicht unbedingt die Beste sein. Gehen sie lieber danach, dass ihnen die Schere gut in der Hand liegt und ein gewisses Eigengewicht hat.

Wer behaupten würde, es gäbe eine Universalregel für den Rückschnitt an Rosen, der liegt auf jeden Fall daneben. Richtig ist, dass es viele Regeln  und zu verschiedenen Rosentypen unterschiedliche Rückschneidemöglichkeiten gibt.

Warum ist ein Rückschnitt sinnvoll?

Nun ist es laut Lehre des Darwin (Das Recht des Stärkeren) so, dass das stärkere Geschöpf sich in der Natur durchsetzt. Herr der Lage sein kann nur der, der aktiv eingreift und es nicht auf sich beruhen lässt. Man spricht daher auch als Fachmann von der Erziehung einer Rose, was mir persönlich besser gefällt.

Ein zweiter wichtiger Grund  ist: Um Unverhältnismäßigkeiten, die durch Züchtungseinflüsse des Menschen zustande gekommen sind etwas auszugleichen.

Der dritte Grund klingt mir noch aus Zeiten meiner Meisterschule dank unserer guten Botaniklehrerin in den Ohren. Der Rückschnitt ist wichtig, um der Pflanze im Frühjahr einen Impuls zu geben auszutreiben, denn es ist nicht nur Licht, Wasser und Wärme, auch das Zurückschneiden beeinflusst den Austrieb. Wir können somit schon die erste Regel aufstellen. Zurück geschnitten wird immer erst im Frühjahr je nach Wetterlage.

Eine gute Hilfe sind die Forsythien. Ab dem Punkt, an dem die Forsythien  anfangen zu blühen, kann man in unseren Regionen mit dem Beschneiden der Rosen beginnen. Eine Ausnahme bilden einmal blühende historische Rosen. Wer diese im Frühjahr zu stark zurückschneidet, bringt sich um die Blüte des gleichen Jahres, denn sie blühen nur am zweijährigen Holz.

Deswegen werden diese Rosen schon gleich nach der Blüte zurück geschnitten. Auch stark störende oder kranke Zweige können im Herbst schon etwas zurück gekürzt werden. Auf alle Fälle sollte der richtige  Formrückschnitt immer erst im Frühjahr vorgenommen werden.

Totes Holz und abgestorbene Triebe sollen grundsätzlich bei jedem Rückschnitt entfernt werden. Es gibt wahrscheinlich genauso viele richtige Wege eine Rose zurück zuschneiden, wie es auch unterschiedliche Erziehungsarten gibt.  Der Formrückschnitt für Edelrosen und Floribunda Rosen sowie Bodendecker oder andere Beetrosen sollte immer etwas stärker sein.

Bis auf 30 cm kann das Holz radikal herunter geschnitten werden, Edelrosen verkahlen sonst zu sehr. Zudem würden Beetrosen mit zu schwachem Wuchs einfach umkippen.

Man sollte acht geben, dass man nicht zu dicht an das letzte Auge schneidet und es nicht unnötig verletzt wird. Immer mindestens 2-3 kräftige Augen sollte jeder Ast  für den neuen Austrieb besitzen. Aber ich möchte Sie auch mal dazu ermutigen nicht nur nach Schema vorzugehen.

Bei uns am Vierländer Rosenhof steht eine Edelrose, (Marie) die mittlerweile eine Höhe von 3 m hat. Sie besitzt diesen unsagbaren schweren Teerosenduft. Sie hat allerdings einen starken Wuchs für eine Teehybride. Die meisten halten diese Rose sicher für eine Kletterrose. Ohne zu verkahlen hat sie sich zu diesem hohen Busch aufgebaut. Man muss allerdings ergänzen, dass sie sehr geschützt steht und auch immer gut gefüttert wurde. Ich würde diese Rose nie im Leben ohne Grund auf 30 cm herunter schneiden und damit kommen wir zu einem weiteren Punkt, dass nicht nur die Vorgaben der Rose durch ihre Wuchseigenschaften entscheiden, sondern auch der Geschmack des jeweiligen Gärtners und natürlich die Standortbedingungen.

Trotz dieser schönen Ausnahme ist die Rückschnittregel für Teehybriden bestätigt. Stärker wachsende Strauchrosen, zu denen auch viele der englischen Rosen gehören, sind in ihrer Idealhöhe bei 1,5 m. Auch bei ihnen  sollte die Regel beherzigt werden, beim Rückschnitt mindestens 2-3 Augen stehen zu lassen, so dass sich jeder Ast wieder gut verzweigt und der Strauch sich schön buschig aufbaut. Um die Höhe einer Strauchrose zu erhalten,  sollte der Busch jährlich nicht mehr als 20-30% der gesamt Höhe zurück geschnitten werden. Viele Strauchrosen haben im Spätsommer bis zum Herbst die Eigenschaft lange vegetative Triebe zubilden. Diese langen Ruten können im Frühjahr einfach herunter geschnitten werden, wenn die Wunschhöhe erreicht ist. Möchte man sie jedoch zu Kletterrosen erziehen, so sollte man die Ruten stehen lassen und lediglich etwas in die Waagerechte biegen und binden, je nachdem wie es die Rankhilfe zulässt. Dadurch erlangt man ein Optimum an Blütenbildung, außerdem verzichtet man auf das herunter schneiden der 20-30% des Busches.

Ähnlich wie die Strauchrosen sollen auch Kletter- und Ramblerrosen nicht so stark geschnitten werden. Man schneidet lediglich das abgestorbene, tote Holz aus, oder Triebe, die störend sind. Ein starker Rückschnitt kommt bei Kletterrosen nur in Frage, wenn Sie zu sehr verkahlen. Man sollte dann im Frühjahr  die Kletterrose radikal auf 30 cm herunter schneiden. Im Hochsommer würde die Rose Gefahr laufen auszubluten. Dieses nennt sich dann Verjüngungsschnitt.

 

Man kann sich eine Regel merken, die immer zutrifft: Je stärker ein Rückschnitt an einer Rose, desto stärker auch ihr Neuaustrieb. Viele Kletterrosen haben einen recht steifen Wuchs, sie lassen sich daher schwer lenken. Sie drohen leicht zu brechen, wenn man sie zu stark biegt. Ramblerrosen haben eher flexible Triebe, die eine ganze Menge an verschiedenen Erziehungsvarianten zulassen. Es ist wieder eine Sache des Geschmacks, ob man sie einfach zum Beleben toter Bäume einsetzt oder sie streng erzieht. Zum Beranken von Bäumen kann man sich einen Pflanztopf zur Hilfe nehmen (ca. 10-20 Liter). Man schneidet ihm zu diesem Zweck den Boden ab und versenkt ihn möglichst dicht am Baumstamm in der Erde. Er soll der Rose die Anwachsphase erleichtern. Die Dosierung von Wasser und Dünger ist so gezielter. Die peitschenartigen Ruten, die sich in den ersten Jahren entwickeln, müssen immer wieder in den Baum gelegt werden. Nach drei Jahren wird das Verhältnis Baum zur Rose immer kleiner. Bei noch aktiven Obstbäumen löst so ein Rambler eine zweite Blüte aus. Einige Ramblerrosen können auch wunderbar die Arbeit von überdimensionalen Bodendeckern übernehmen. Sie können zu diesem Zweck ganze Hänge beranken.

 

Im wunderschönen, liebevoll angelegten Garten in Bingerden, Holland steht eine “Felipes Kiftsgate“ (Murrell 1954). Die Grundtriebe dieser Rose wurden linealgrade am Hausmauerwerk fixiert. Sie ist kaum höher als 3-4 m, obwohl sie als Baumwucherer leicht höher als 10 m werden kann. Der Gärtner erklärte mir, dass er jedes Jahr nur die vegetativen Ruten kurz über dem alten Holz abschneidet, was zu Folge hat, dass immer wieder kleine Büschel mit vielen Blüten an den lianenartigen Girlanden bilden. Zwangsweise muss ich bei dieser Art an einen geschorenen Pudel denken, aber dieses streng kontrollierte Modell hat auch seinen Reiz.

Ähnlich reizvoll kann das Ziehen der Lianen entlang von dicken Seilen oder Schiffstauen sein. Zu diesem Zweck legt man die langen Hauptruten spiralenförmig um die Taue. Die dadurch entstehenden bogenartigen Lianen wirken wie ein blühender Handlauf. Man kann über Erziehung und Geschmack sicherlich diskutieren – ob in streng formal  oder natur belassenen Gärten wird die Rose immer Ihre Primärstellung behalten. Sicherlich nicht nur wegen Ihrer formenreichen Artenvielfalt sondern auch weil sie ihren Status besitzt als „Königin der Blumen.“

Jan D. Janßen, Vierländer Rosenhof

Öffnungszeiten des Vierländer Rosenhof:

Mai bis September:

Dienstag und Mittwoch 09:00 bis 17:00 Uhr
Samstag: 09:00 bis 16:00 uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung

 

Vierländer Rosenhof
Kirchwerder Hausdeich 182, 21037 Hamburg

Text: Jan Diedag Janßen
Fotos: Vierländer Rosenhof, Claudia Timmann und VuM Redaktion

Dieser Artikel ist erschienen in: Vier- & Marschlande Regionalmagazin Nr. 3 (1/2014)